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Andacht zu Gründonnerstag

Heute ist Gründonnerstag, schon sind Karfreitag und Ostern in Sichtweite. Vor lauter Abstand-Halten und Masken-Suchen und Nachrichten-Schauen ist es gar nicht so leicht gewesen, sich dieses Jahr auch auf die Passionszeit zu konzentrieren. Es war nicht so einfach, den Kopf frei zu machen und sich vorzubereiten auf Karfreitag.

 

Eigentlich schade, denn gerade diese Geschichten von Karfreitag und Ostern, die können uns so sehr stärken in dieser turbulenten Zeit. Also nutzen wir doch heute, nutzen wir diesen Gründonnerstag, um uns stärken zu lassen. Genau das tut nämlich auch Jesus an diesem Tag. Er kommt mit seinen Jüngern zusammen, um mit ihnen das Passah-Fest einzuläuten. Dies geschieht mit einem besonderen Essen: Alle Speisen erinnern auf die eine oder andere Art an die Flucht Israels aus der Versklavung in Ägypten. Da ist beispielsweise das ungesäuerte Brot – denn das Essen wurde in Eile zubereitet, ohne den Teig durchsäuern zu lassen. Da sind die bitteren Kräuter, denn ein Aufbruch ins Ungewisse ist immer auch schwierig. Dazu gehört der Wein, das Zeichen des Festes, der Feier der Erlösung. Auch ein Lamm wird zubereitet, denn dies war die letzte Mahlzeit in Ägypten, die letzte Stärkung vor dem Aufbruch. Zu diesen Gerichten gehören festgelegte Texte, die an den verschiedenen Stellen des Abends gesprochen werden. Sie helfen, sich die Geschichte von der Befreiung Israels aus Ägypten zu vergegenwärtigen. Und wer teilnimmt an diesem Essen, der wird selbst ein Teil dieser Geschichte, mit jedem Bissen, Stückchen für Stückchen. Da kann man sich die Befreiung durch Gott auf der Zunge zergehen lassen. Da erlebt man: Dieser Gott will mir Gutes. Er hat einen Plan für uns, er will uns den Weg in ein gutes Leben weisen.

 

In solch einer Feierrunde sitzt Jesus nun mit seinen Jüngern zusammen. Und dann fällt sein Wort: Einer von euch wird mich verraten. Das war bitterer als alle Bitterkräuter zusammen. Doch dann nimmt Jesus das Brot in die Hand, dankt Gott und gibt davon seinen Jüngern. Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Worte, die eigentlich im Halse stecken bleiben müssten. Und doch begreifen die Jünger: Sie sollen von diesem Brot essen, sich damit stärken und selbst Teil dieser Geschichte Jesu werden. Sie soll Teil ihres eigenen Lebens sein.  Dann folgt der Kelch. Nehmt und trinkt alle daraus. Das ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Es wird vergossen für uns, an unserer statt. Auch dieser Schluck verbindet: Er verbindet die Jünger wie uns heute mit Jesus Christus. Und so verbindet der Schluck uns mit der Freiheit, zu der wir durch ihn berufen werden.

 

Freiheit… Das heißt nicht: keinerlei Schwierigkeiten, ein Leben ohne Widerstände, ein Leben immer so, wie ich es mir erträume. Vielmehr meint diese Freiheit: Wir können mit Gott durch unser Leben gehen. Jesus ist bei uns, auch wenn es anstrengend wird. Er ist sogar da für uns, wenn es weh tut. Und es bedeutet: Am Ende, da steht die Freiheit bei Gott. Wenn das mal kein Angebot ist!

Pfarrerin Cornelia Stock (Tel. 0 64 71 / 31 19 402; stock@evangelisch-in-weilburg.de)

 

 

 

 

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