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Andacht zu Karfreitag

Jesus stirbt am Kreuz, umringt von Menschen und doch alleine. Da ist keiner, der seine Hand hält. Keiner, der ihm sagt: Lass los, hör auf zu kämpfen, du kannst gehen. Nein, Jesus stirbt am Kreuz, unter dem Spott seiner Verächter.

 

Es sind sicherlich die härtesten Stunden seines Lebens. Und es scheint, nicht nur der menschliche Beistand fehlt. Gerade jetzt, in der Stunde der Not, da müsste Jesus doch Gott spüren, da müsste Gott doch für ihn da sein! - Aber davon merkt Jesus nichts. Da ist gar nichts mehr. Jesus ruft aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Doch Gott greift nicht ein. Er stärkt nicht, reagiert nicht, kein Trost weit und breit.

 

Dieses Gefühl ist vielen Menschen auch ohne Kreuzigung vertraut. Wenn das Leben Zickzacklinien schlägt, dann kann es geschehen, dass ich mich nach Gott sehne, doch ich spüre nichts. Ich ahne nur Gottesferne. Dann bin ich froh, dass Jesus weiß, wie es mir geht. Jesus kennt das, er leidet auch mit mir.

 

Und ich versuche, mir ein Beispiel an ihm zu nehmen. Denn Jesus gibt den Glauben nicht auf. Vielmehr wendet er sich an Gott selbst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Errette mich, hilf mir, zeige mir einen Ausweg! So ähnlich fährt der Psalm 22 fort, den Jesus hier betet.

 

Auch wenn Jesus meint, in der Gottesferne zu sterben: Gott hat ihn nicht vergessen. Sein Schmerz über Jesu Tod, er bricht sich Bahn in einem Erdbeben. Hier kündigt sich an, wie Gott die Ordnung dieser Welt auf den Kopf stellen wird: Der Tod, der Hass, die Menschenverachtung, sie behalten nicht das letzte Wort. Nicht mehr lange, und dann siegt Gottes Liebe, dann ruft er Christus erneut ins Leben und uns mit ihm.

 

Darauf läuft Gottes Geschichte zu, seine Geschichte mit Jesus und auch seine Geschichte mit dieser Welt. Manchmal entwickelt sich diese Geschichte im Verborgenen und ich verstehe sie nicht. Dann kämpfe ich vielleicht mehr mit meiner Ungeduld als mit Gottes Ferne. Doch Gott vergisst uns nicht. Es ist an uns, genauso an ihm festzuhalten und darauf zu vertrauen: Er hat noch etwas vor mit, mit uns und mit dieser Welt.

Pfarrerin Cornelia Stock (Tel. 0 64 71 / 31 19 402; stock@evangelisch-in-weilburg.de)

 

 

 

 

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